Geschichte des Kommandeurhauses
Erfahren Sie mehr über den historischen Hintergrund des Kommandeurhauses
Das Kommandeurhaus in Werben ist mehr als ein altes Gebäude. Seit über 250 Jahren wurde hier gewohnt, gearbeitet, gelagert, ausgeschenkt, gefeiert, umgebaut, vergessen und schließlich wieder behutsam zum Leben erweckt.
Ein Haus für den Kommandeur
Um 1769 entstand das Kommandeurhaus als Dienst- und Wohnsitz des Kommandeurs der in Werben stationierten Schwadron des preußischen Kürassier-Regiments Nr. 7. Das Haus gehörte damit zur militärischen Geschichte der Stadt und stand zugleich für den Anspruch, auch in der kleinen Hansestadt Werben repräsentativ zu bauen.
Bewohnt wurde es unter anderem vom Rittmeister Hans von Borstell. Die historische Bezeichnung als „Commun- oder Commandanten Hauß“ erinnert noch heute an diese ursprüngliche Funktion.
Vom Offiziershaus zum Gasthof
Mehr als hundert Jahre später begann ein neues Kapitel. Ab 1913 nutzte die Brauerei Gustav Schraube aus Pritzwalk das Gebäude als Bierniederlage und Eiskellerei. Aus dem ehemaligen Kommandeurhaus wurde der Gasthof „Zur Stadt Magdeburg“ – ein Ort, an dem nicht mehr befohlen, sondern ausgeschenkt, gegessen und zusammengekommen wurde.
Im Obergeschoss entstand ein großer Saal. Für diesen Umbau wurden tragende Wände verändert – Spuren, die noch viele Jahrzehnte später bei der Restaurierung sichtbar waren. Die Geschichte des Hauses ist damit nicht nur Militärgeschichte, sondern auch Alltagsgeschichte: ein Haus für Menschen, Begegnungen und Feste.
Wohnhaus, Lager, Friseurladen
Nach 1945 wurde das Kommandeurhaus auf unterschiedliche Weise genutzt. Teile des Hauses dienten als Wohnraum, die Dachböden wurden weiterhin als Lagerflächen genutzt, zeitweise befand sich im Hochparterre sogar ein Friseurladen.
Wie viele historische Gebäude in kleinen Städten wurde auch das Kommandeurhaus im Laufe der Jahrzehnte immer wieder angepasst, vereinfacht und umgebaut. Nicht alles davon war denkmalgerecht – aber jede Schicht erzählt etwas über die Zeit, in der sie entstanden ist.
Leerstand und Verfall
Nach der politischen Wende verlor das Haus seine letzte regelmäßige Nutzung. Der letzte Mieter zog aus, das Gebäude stand leer und verfiel zunehmend. Was einst Kommandeurhaus, Gasthof und Wohnhaus gewesen war, drohte zu verschwinden.
Für viele Jahre war unklar, ob das Gebäude überhaupt erhalten werden könnte. Gerade historische Häuser wie dieses brauchen nicht nur Geld, sondern Geduld, Sachverstand und Menschen, die ihren Wert erkennen.
Die Rettung des Denkmals
Ab 2010 begann die behutsame Restaurierung des Kommandeurhauses. Ziel war nicht, ein glattes neues Haus hinter alten Mauern zu schaffen, sondern den Charakter des Gebäudes zu bewahren.
Lehmputz, Wandheizungen, Holz und sorgfältig erhaltene historische Details prägen heute die Räume. Moderne Technik wurde zurückhaltend integriert, damit das Haus komfortabel nutzbar ist, ohne seine besondere Atmosphäre zu verlieren.
Ein Denkmal, das wieder lebt
Heute ist das Kommandeurhaus kein Museum. Es ist ein Ort zum Wohnen, Kochen, Zusammensein und Zur-Ruhe-Kommen. Gäste können in zwei großzügigen Ferienwohnungen übernachten oder das gesamte Haus als Ferienhaus für Gruppen mit Mansarddach und geschütztem Innenhof exklusiv nutzen.
Für Paare, die in Werben heiraten möchten, eignet sich das Haus außerdem für eine persönliche Werbener Hofhochzeit im kleinen Kreis.
Vielleicht ist genau das die schönste Fortsetzung seiner Geschichte: Das Kommandeurhaus wird wieder bewohnt. Es ist kein stilles Denkmal, sondern ein Haus, das weiterlebt – mit jedem Besuch, jeder gemeinsamen Mahlzeit und jedem neuen Kapitel.